erstellt von Stephan Waba für die Volkshochschule Floridsdorf

Zur Entstehung des Lernpfads ...

Kommaregeln

Kommas werden dort gesetzt, wo man beim Sprechen eine Pause setzen würde.

Sie helfen beim Schreiben, den Satz klar zu strukturieren und beim Lesen, den Satz besser zu verstehen. Zweideutige Konstruktionen können durch Kommas eindeutig gemacht werden.

    Beispiel: Immer funktionierte unser Auto nicht, ohne Bedenken habe ich es verkauft. Immer funktionierte unser Auto, nicht ohne Bedenken habe ich es verkauft.

Die neue Rechtschreibung hat die teilweise widersprüchlichen Kommaregeln von früher beseitigt und nur mehr relativ wenige verpflichtende Kommas übrig gelassen. Viele Regeln der alten Rechtschreibung dürfen aber nach wie vor verwendet werden. Gerade bei komplexen Satzstrukturen ist auch eine Anwendung nach manch alter Regel sinnvoll.

 

Kommas stehen zwischen den einzelnen Teilen einer Aufzählung, wenn sie nicht durch und, oder, sowie oder bzw. verbunden sind.

    Beispiel: Vergiss nicht, dass du Zwiebeln, Knoblauch, Karotten und Nudeln kaufen musst. Sie liebt Musik, schicke Kleider und sportliche Autos.

Auch Satzreihen werden mit einem Komma getrennt.

    Beispiel: Der Polizist rannte in den Kassenraum, er sah sich um und er handelte. Die Eisläuferin betrat die Eishalle, zog sich ihre Schlittschuhe an und begab sich aufs Eis.

 

Das Komma steht zwischen Satzteilen, die durch anreihende Konjunktionen in der Art einer Aufzählung verbunden sind.

Anreihende Konjunktionen sind zum Beispiel einerseits – andererseits, je – desto oder nicht nur – sondern auch.

    Beispiel: Einerseits möchte Markus abnehmen, andererseits isst er für sein Leben gerne Kuchen. Teils verbringt er ganze Sonntage in Cafés, teils isst er tagelang keinen Bissen.

 

Hauptsätze werden von abhängigen Nebensätzen durch ein Komma getrennt.

    Beispiel: Alle verstummten, als er plötzlich auftauchte. Die Schüler gehen in ihr Klassenzimmer, weil die Schulglocke läutet.

Auch indirekte Fragesätze und Relativsätze werden durch Kommas getrennt.

    Beispiel: Ob ich an dem Lehrgang teilnehme, muss ich mir noch überlegen. Sie wollte nicht wissen, warum ihr Freund sie verlassen hatte. (indirekte Fragesätze)

    Beispiel: Die Rehe, die uns bald darauf witterten, verschwanden mit großen Sprüngen im Wald. Ist das die Konditorei, die du uns empfohlen hast? (Relativsätze)

 

Vergleichssätze mit als oder wie werden durch Kommas getrennt.

    Beispiel: Der Urlaub wurde besser, als ich erwartet hatte. Ich habe genauso lange gearbeitet, wie ich geplant hatte.

Aber: Wird der Vergleich innerhalb eines Satzes ausgedrückt, entfällt das Komma.

    Beispiel: Ich mag die neue Lehrerin lieber als die alte. Mein Bruder so alt wie Martin.

 

Ein erweiterter Infinitiv mit zu kann durch ein Komma abgetrennt werden.

In der alten Rechtschreibung mussten alle Infinitivkonstruktionen mit einem Komma getrennt werden. In der neuen Rechtschreibung gilt dies nur noch für „erweiterte Konstruktionen“, die Sätze schwerer verständlich machen.

    Beispiel: Es ist im Tiergarten verboten die Tiere zu füttern. (Um den Satz klarer zu strukturieren, wäre auch heute noch ein Komma erlaubt.)

    Beispiel: Er bestand darauf, sich auf die schwierige Prüfung alleine vorzubereiten.

Beim einfachen Infinitiv steht kein Komma, außer wenn durch es darauf hingewiesen wird.

    Beispiel: Sie hatte das Gefühl überflüssig zu sein. Es drängt sich ihr das Gefühl auf, überflüssig zu sein.

 

Appositionen stehen zwischen Kommas.

    Beispiel: Der Direktor, verärgert durch den Lärm, eilte herbei. Dieser Kurs, einer der gefragtesten des Instituts, ist leider schon seit Wochen ausgebucht.

Das Komma steht auch, wenn ein Hauptsatz in einen anderen eingeschoben wird.

    Beispiel: Du kannst, ich betone es noch einmal, nicht in diesem Fußballverein bleiben. Meine Tochter, ich weiß weder ein noch aus, interessiert sich überhaupt nicht für die Schule.

 

Ein Komma steht vor entgegengesetzten Konjunktionen wie aber, sondern oder jedoch.

    Beispiel: Sein Vater war ein grober, aber gutmütiger Kerl. Nicht nur ihre Pullover, sondern auch ihre Handschuhe hat sie selber gestrickt.

 

Das Komma wird verwendet, um nachgestellte Erklärungen oder Hervorhebungen abzutrennen.

    Beispiel: Wir müssen gehen! Mach dich fertig, und zwar schnell. Der Abendfilm beginnt immer um 20.15 Uhr, gleich nach den Nachrichten.

Das Komma schließt Erläuterungen ein, die durch d.h., nämlich, z.B. oder wie eingeleitet werden.

    Beispiel: Eine Prüfung ist mir besonders leicht gefallen, nämlich die Deutschprüfung. Bestimmte Themen, z.B. die Kommasetzung, interessieren mich besonders.

 

Das Komma steht auch bei Anreden, Ausrufen oder Bestätigungen im Satz.

    Beispiel: Du da, hilf mir! Ja, ich stehe dazu! Da mache ich nicht mit, nein!

 

Das Komma gliedert mehrteilige Datums- und Zeitangaben.

    Beispiel: Wien, 31. Jänner 2003. Ich komme am Dienstag, den 12. Dezember, (um) 12.30 am Südbahnhof an.

Interaktive Quizzes dazu: Warum Kommas? 1 | 2 | 3 | Kommas einsetzen 1 | 2 | 3